Chemnitz

Das Wasserschloss Klaffenbach in Chemnitz © Edler von Rabenstein / Fotolia.com

Sachsens verkanntes Genie: Chemnitz

Wer eine Reise nach Sachsen unternimmt, hat dabei zumeist die Städte Dresden und Leipzig im Visier. Der dritte große Ort im Bunde bzw. im Bundesland fällt in der Bekanntheits- und Beliebtheits-Skala oft ein wenig ab. Dass aber auch Chemnitz seine Reize hat, beweist der folgende kleine Rundgang durch die die Stadt und ihre Geschichte:

Die Anfänge

Der buchstäbliche Grundstein für die Stadt wurde von Kaiser Lothar III. gelegt: Er gab Anweisung, nahe des Flusses Chemnitz ein Kloster zu errichten und ließ es kurzerhand nach dem Gewässer benennen. Aufgrund des Privilegs, das Bleichhandwerk ausüben zu dürfen, entwickelte sich die Umgebung des Gebäudes zu einer der wirtschaftlich stabilsten Städte Sachsens. Aus jener ersten Blütezeit stammen die Grundmauern des "Alten Rathauses", die unteren Etagen des "Roten Turmes" und die Stadtkirche "St. Jakobi". Von der Chemnitzer Stadtmauer zeugt heute hingegen nur noch der Verlauf der Ringstraßen.

Wachstum und Weiterentwicklung

Den zweiten großen Aufschwung im 18. Jahrhundert belegt das "Siegert'sche Haus" am Markt, dessen Fassade jedoch nur noch zum Teil erhalten ist. Eine weitere Immobilie aus dieser Zeit ist das vor der Stadt befindliche Anger-Gelände, auf welchem Truppenparaden, Schützenfeste und Chemnitz' erster Ballonstart stattfanden. Nach der Erschließung und Bebauung ab 1789 erhielt das Grundstück den bis heute gültigen Namen "Brühl".

Stark in Forschung und Bildung

Nach dem explosionsartigen Wirtschaftswachstum während der so genannten Industriellen Revolution konnten die Chemnitzer und ihre Gäste zahlreiche Restaurants, Filmbühnen und Theaterhäuser besuchen. Darüber verzeichnete das hier ansässige Patentamt überdurchschnittlich viele Einträge von Einheimischen. So gehen der erste feststehende Nullenzirkel und der Vorläufer späterer Thermosflaschen auf Chemnitzer Bürger zurück. Um den Handel zu erleichtern und zu vermeiden, dass Kaufleute für jeden Aufenthalt Unterkünfte oder Hotels buchen müssen, wurde die Stadt per Eisenbahnstrecke mit Riesa, Dresden und Leipzig verbunden.

Einzug der Moderne

Mit der "Villa Esche" entstand in Chemnitz der erste Henry van der Velde-Bau auf deutschem Boden. Weitere Bauwerke aus dem frühen 20. Jahrhundert sind das heutige Opernhaus, das "König Albert Museum" und der Rathaus-Anbau. Für das 1926 errichtete Sportforum können die Chemnitzer und ihre Gäste noch immer Tickets kaufen, die ihnen den Zutritt zu diversen Veranstaltungen des Rad-, Ball-, Schwimm- oder Boxsports ermöglichen. Auch der Ideenreichtum trug neue Früchte: Findige Köpfe aus Chemnitz ersannen das erste vollsynthetische Feinwaschmittel und den bis heute gebräuchlichen Heftstreifen.

Deckname Karl-Marx-Stadt

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren 90% des einstmals blühenden Wirtschaftszentrums zerstört. Von nun an sollte Chemnitz Vorbildwirkung für sozialistische Städteplanung haben und wurde völlig neu strukturiert. Flächen, die bis zum Baustopp Mitte der 1970er Jahre noch nicht mit Plattenbauten verstellt worden waren, blieben danach einfach leer. Architektonische Zeitzeugen der radikalen Umgestaltung sind das noch immer genutzte "Mercure Kongress Hotel" und die "Nischel" genannte Karl-Marx-Büste.

Mit neuer Kraft voran

Dank international ausgeschriebener Wettbewerbe zum Wiederaufbau ist Chemnitz heute wieder eine sehenswerte Stadt, in der Historisches und Modernes zusammenfließen. Sie ist Standort zahlreicher Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie Sitz mehrerer bedeutender Unternehmen. Auch Kunst- und Kulturinteressierte kommen durch die vielfältige Museen-Landschaft, den Breakdance-Wettbewerb "Soulexpression" und die alljährliche "Fiesta Grande" auf ihre Kosten.

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